# Technische Dokumentation: BizTalk Checkmk Pulse ## 1. Ziel und Randbedingungen Die Anwendung überwacht BizTalk Server 2020 auf Windows Server 2019 mit Checkmk 2.4. Pro Umgebung (`ACC`, `DEV`, `TST`, `PRD`) wird lokal auf dem BizTalk-Server gesammelt. Das Checkmk-MSSQL-Plugin bleibt für die allgemeine SQL-Überwachung zuständig; BizTalk Checkmk Pulse liefert die BizTalk-spezifische Laufzeit- und Berechtigungssicht. Verbindliche Randbedingungen: - Der Checkmk Windows Agent bleibt `LocalSystem`. - `LocalSystem` erhält keine BizTalk-/SQL-Gruppenmitgliedschaft. - Ein normales dediziertes AD-Servicekonto sammelt minütlich. - Der Agentpfad führt niemals WMI- oder SQL-Abfragen aus. - Fehler müssen als gültige Checkmk-`UNKNOWN`-Services sichtbar werden. - Schreiben und Lesen dürfen nie einen halben Snapshot exponieren. - Installation und Laufzeit benötigen keine PowerShell und keine BizTalk-DLL-Referenz. - Installation, ACL und Scheduled Task müssen reproduzierbar sein. ## 2. Auslöser der Architekturänderung Der ACC-Agent-Dump vom 29.07.2026 bewies: ```text Lokaler Prozess: NT AUTHORITY\SYSTEM Netzwerkprincipal: BEW\AV23AGPWBIO1$ Providerfehler: COMException 0x80131904 Innerer Fehler: Login failed for user 'BEW\AV23AGPWBIO1$' ``` Lokales `root\MicrosoftBizTalkServer` war erreichbar. Die datenbankgestützten BizTalk-WMI-Klassen scheiterten erst beim Zugriff des Providers auf den getrennten SQL Server. DCOM-, Firewall- oder pauschale WMI-ACL-Änderungen beheben diesen Befund nicht. Eine Berechtigung des Maschinenkontos hätte die Netzwerkrolle allen `LocalSystem`-Diensten des BizTalk-Servers vermittelt. Die jetzt implementierte Producer/Consumer-Trennung beschränkt sie stattdessen auf ein dediziertes Konto. ## 3. Architektur ```text Privilegierte Zone ┌──────────────────────────────────────────────────────────────┐ │ Task Scheduler: "BizTalk Checkmk Pulse Provider" │ │ Konto: DOMAIN\svc_biztalk_cmk (RunLevel Limited) │ │ Intervall: 1 Minute, IgnoreNew, Laufzeitlimit 5 Minuten │ │ │ │ BizTalkCheckmkPulse.exe --collect │ │ ├─ WMI root\MicrosoftBizTalkServer │ │ ├─ integrierter SQL-Test an MgmtDb/MsgBoxDb │ │ ├─ lokales Windows Application Event Log │ │ ├─ Checkmk-Formatierung │ │ └─ atomare Snapshot-Publikation + Provider-Log │ └──────────────────────────────┬───────────────────────────────┘ │ Datei/ACL v %ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\data\biztalk-checkmk-pulse.snapshot │ v ┌──────────────────────────────────────────────────────────────┐ │ Unprivilegierter Transportpfad │ │ Checkmk-Agent (LocalSystem) │ │ └─ local\biztalk_checkmk_pulse.cmd │ │ └─ BizTalkCheckmkPulse.exe --consume │ │ ├─ Format/Alter/Maschine/SHA-256 validieren │ │ └─ Payload unverändert nach STDOUT │ └──────────────────────────────────────────────────────────────┘ ``` Eine gemeinsame EXE implementiert beide Modi. Das reduziert Versionsabweichungen. Die zentrale Config unter `%ProgramFiles%` gilt für Provider und Consumer. ### 3.1 Provider-Modus Aufruf: ```cmd "%ProgramFiles%\BizTalkCheckmkPulse\BizTalkCheckmkPulse.exe" --collect ``` Ablauf: 1. Config laden und absolute Runtimepfade validieren. 2. Tageslogs gemäß `LogRetentionDays` bereinigen. 3. exklusives Handle auf `.provider.lock` halten. 4. WMI-, SQL- und Event-Log-Probes ausführen. 5. neun stabile und optionale dynamische Checkmk-Zeilen formatieren. 6. Snapshot in einer eindeutigen Temporärdatei desselben Verzeichnisses schreiben. 7. `Flush(true)` ausführen und Temporärdatei atomar publizieren. 8. Laufzeit, Zeilen- und Diagnosezahl loggen. Exitcodes: | Code | Bedeutung | | --- | --- | | `0` | Sammlung und Snapshot-Publikation erfolgreich. | | `1` | unerwarteter Providerfehler; aktueller `UNKNOWN`-Snapshot wird versucht. | | `2` | Parallelstart oder Snapshot-I/O-Fehler. | Fachliche WMI-/SQL-Fehler werden strukturiert in den Snapshot geschrieben und müssen nicht zwingend einen Prozessfehler verursachen. So bleibt die genaue Fehlerkategorie in Checkmk sichtbar. ### 3.2 Consumer-Modus Aufruf: ```cmd "%ProgramFiles%\BizTalkCheckmkPulse\BizTalkCheckmkPulse.exe" --consume ``` Ohne Modusargument ist `--consume` der sichere Default. Der Checkmk-Wrapper setzt es trotzdem explizit. Der Consumer: - öffnet nur den Snapshot, - begrenzt die Dateigröße vor dem Einlesen, - validiert striktes UTF-8, - validiert Formatversion und Header, - fordert die lokale Maschinenkennung, - berechnet SHA-256 über den exakten Payload, - prüft Zeilenanzahl und Checkmk-Zeilenform, - verwirft Zeitstempel mehr als fünf Minuten in der Zukunft, - verwirft Snapshots nach `SnapshotMaxAgeSeconds`, - gibt bei Erfolg ausschließlich den validierten Payload aus. Er gibt immer Exitcode `0` zurück, damit ein Fehler die komplette Checkmk-Agentsektion nicht zerstört. Jede Ablehnung erzeugt neun `UNKNOWN`-Zeilen und einen Eintrag im Consumer-Log. ## 4. Snapshot-Vertrag Version 2: ```text BIZTALK_CHECKMK_PULSE_SNAPSHOT_V2 generatedUtc=2026-07-30T12:34:56.1234567Z machineBase64=QVYyM0FHUFdCSU8x identityBase64=QkVXXHN2Y19iaXp0YWxrX2NtayQ= payloadLines=9 payloadSha256=<64 hex characters> 0 "BizTalk Platform" - ... ... ``` Maschine und Identität sind Base64-kodiert, um Zeilenumbrüche und Trennzeichen im Header auszuschließen. Base64 ist hier keine Verschlüsselung. Die SHA-256-Prüfung schützt vor unbemerkter Teil-/Fehlschreibung, nicht vor einem lokalen Administrator. ### 4.1 Atomare Publikation Die Temporärdatei liegt zwingend im Snapshotverzeichnis. Dadurch findet der Ersatz auf demselben Volume statt. Existiert bereits ein Snapshot, wird `File.Replace` verwendet; beim ersten Lauf `File.Move`. Bis zum erfolgreichen Ersatz bleibt der letzte vollständige Snapshot erhalten. Seine Altersprüfung verhindert unbegrenztes Weiterreichen alter Daten. ### 4.2 Keine direkte Checkmk-Spooldatei Checkmk kann zwar Dateien aus seinem Spoolverzeichnis direkt anhängen, prüft deren Inhalt aber laut eigener Dokumentation nicht. Ein fehlerhafter Spool kann nachfolgende Agentsektionen beeinflussen. Deshalb liegt der Provider-Snapshot in einem eigenen Verzeichnis und wird erst durch den validierenden Consumer in die Local-Check-Ausgabe übernommen. ## 5. Datenquellen ### 5.1 BizTalk WMI Namespace: ```text root\MicrosoftBizTalkServer ``` Pflichtklassen: | Klasse | Zweck | | --- | --- | | `MSBTS_GroupSetting` | Gruppe, Read-Only-/Operator-Gruppe, Management- und Master-MessageBox-Ziel. | | `MSBTS_HostInstance` | lokale Host-Instance-Zustände. | | `MSBTS_ServiceInstance` | suspendierte Instanzen. | | `MSBTS_ReceiveLocation` | Receive-Location-Zustände. | | `MSBTS_SendPort` | Send-Port-Zustände. | | `MSBTS_Orchestration` | Orchestration-Zustände. | `MSBTS_GroupSetting` wird mit den dokumentierten Properties `MgmtDbServerName`, `MgmtDbName`, `SubscriptionDBServerName`, `SubscriptionDBName`, `BizTalkReadOnlyUserGroup` und `BizTalkOperatorGroup` gelesen. Eine nicht dokumentierte `MSBTS_MessageBoxSetting`-Klasse wird nicht abgefragt. Hostnamen werden clientseitig verglichen. Sonderzeichen und FQDN-/Kurzname gelangen nicht in dynamisch erzeugte WQL-Filter. `MSBTS_ServiceInstance` wird für `ServiceStatus=4` (resumable), `ServiceStatus=32` (non-resumable) und `ServiceClass=64` abgefragt. `ServiceClass=64` kennzeichnet Routing Failure Reports. Sie werden als eigene Metrik ausgewiesen und zugleich in `suspended_nonresumable` mitgezählt. ### 5.2 Kompaktes Checkmk-Servicebild Die alte Sammelzeile `BizTalk Runtime Artifacts` wurde durch drei kurze Services ersetzt. Insgesamt entstehen neun stabile Services: 1. `BizTalk Platform` 2. `BizTalk SQL Access` 3. `BizTalk Suspended Instances` 4. `BizTalk Host Instances` 5. `BizTalk Receive Locations` 6. `BizTalk Send Ports` 7. `BizTalk Endpoint Reachability` 8. `BizTalk Orchestrations` 9. `BizTalk Event Log` Receive Locations und Send Ports alarmieren nur für unerwartete Aus-Zustände. Fachlich bewusst deaktivierte Namen werden exakt, ohne Wildcards, in `ExpectedDisabledReceiveLocations` beziehungsweise `ExpectedInactiveSendPorts` hinterlegt. Ein Eintrag ist entweder nur der Name oder `Anwendung\Name`. Pro Summary werden maximal `MaxSummaryItems` Treffer angezeigt. Weitere Artefakte werden als `(+n more)` zusammengefasst. `MaxDetailCharacters` begrenzt jede Detailausgabe, damit Checkmk-Ansichten kompakt bleiben, während alle numerischen Metriken vollständig erhalten bleiben. ### 5.3 Endpoint-Discovery und Netzwerkprobe Die Endpoint-Funktion erweitert keine WMI-Klassenmenge. Aus den ohnehin minütlich abgefragten Instanzen werden nur dokumentierte Properties gelesen: | WMI-Klasse | Properties | | --- | --- | | `MSBTS_SendPort` | `Status`, `IsDynamic`, `PTAddress`, `STAddress`, `PTTransportType`, `STTransportType` | | `MSBTS_ReceiveLocation` | `IsDisabled`, `InboundTransportURL`, `AdapterName` | Nur `Status=Started` beziehungsweise `IsDisabled=false` wird geprüft. Inaktive Artefakte bleiben aus der Probe ausgeschlossen, auch wenn sie noch im Katalog stehen. Dynamische Send Ports, lokale Dateipfade, SMTP-Empfängerlisten und Named Pipes sowie relative HTTP-/WCF-Receive-Listener werden als erwartbar nicht socket-prüfbar behandelt und erzeugen kein `UNKNOWN`. WCF-SQL-Adressen im Format `mssql://server[:port]/instanz/datenbank` werden auf TCP 1433 oder den expliziten Port reduziert. Schemafreie `host:port`-Angaben werden vor der allgemeinen URI-Auswertung erkannt. Bei FTP und SFTP werden zusätzlich Angaben der Form `[benutzer@]host[:port]/pfad` auf Host und expliziten beziehungsweise adaptertypischen Standardport reduziert. Echte Auflösungslücken bleiben sichtbar und nennen Artefakt, Adapter und Grund, aber niemals die vollständige URI. Der lokale Katalog `%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\data\endpoints.xml` wird beim ersten erfolgreichen Lauf erzeugt und danach standardmäßig alle 168 Stunden atomar abgeglichen. Er enthält keine vollständigen URIs, Querystrings, Benutzernamen oder Kennwörter, sondern nur Artefaktbezug, Adapter, Host, Port und `TCP`/`UDP`. Automatisch erzeugte Einträge tragen `autoDiscovered="true"`. Ein bewusst manueller Override wird mit `autoDiscovered="false"` markiert und beim Wochenabgleich erhalten; sein `key` muss dem Artefakteintrag entsprechen. Eigenständige manuelle Ziele verwenden `artifactType="Manual"`. HTTP(S), SFTP, FTP, UNC/SMB, WCF und `net.tcp` werden ausschließlich per TCP-Connect geprüft. Es findet kein fachlicher Request und keine Anmeldung statt. Explizite `udp://host:port`-Einträge senden ein einzelnes Datagramm; das bestätigt DNS, Route und lokalen Versand, kann ohne applikationsspezifisches Antwortprotokoll aber keinen entfernten Dienstzustand beweisen. Gemeinsame Host/Port-Ziele werden dedupliziert und mit begrenzter Parallelität getestet. Der Checkmk-Service nennt im OK-Fall nur die Gesamtzahl. Bei Ausfällen werden ausschließlich die nicht erreichbaren Artefakte in `unavailable=` angezeigt; `MaxSummaryItems` und `MaxDetailCharacters` begrenzen die Darstellung. Alle Einzelfehler bleiben vollständig im Provider-Log. ### 5.4 SQL-Zugriffsprobe Der Provider öffnet für Management- und Master-MessageBox-Datenbank eine kurze `System.Data.SqlClient`-Verbindung mit integrierter Windows-Authentifizierung, führt `SELECT 1` aus und schließt sie. Keine BizTalk-Tabelle wird direkt gelesen oder verändert. Die Ausgabe `execution_identity=` zeigt deshalb das Provider-Konto, nicht mehr `NT AUTHORITY\SYSTEM`. Der Check beweist, dass genau das Scheduled-Task-Konto die Ziele erreichen kann. ### 5.5 Event Log Der Provider liest das lokale Application Log im konfigurierten Zeitfenster und filtert Quellen wie `BizTalk Server`, `XLANG/s`, `ENTSSO`, `BizTalk Server Application` und `BizTalk Server EDI`. ## 6. Berechtigungsmodell ### 6.1 Bevorzugte BizTalk-Rolle BizTalk Server 2020 führte die `BizTalk Server Read Only Users`-Gruppe ein. Sie darf Artefakte, Servicezustand, Message Flow und Trackinginformationen lesen, aber keine administrativen Operationen ausführen. SQL-seitig wird sie über `BTS_READONLY_USERS` vermittelt. Soll: ```text DOMAIN\svc_biztalk_cmk$ -> konfigurierte BizTalk Server Read Only Users-Domaingruppe -> vorhandener Windows-Gruppenlogin am SQL Server -> BTS_READONLY_USERS in den von BizTalk konfigurierten Datenbanken ``` Die genaue Gruppe ist aus `MSBTS_GroupSetting.BizTalkReadOnlyUserGroup` beziehungsweise der BizTalk-Administration zu lesen. Nicht vom Standardnamen ausgehen. Die Operator-Gruppe (`BTS_OPERATORS`) wird erst geprüft, wenn eine konkret benannte erforderliche WMI-Klasse trotz nachgewiesener Read-Only-Konfiguration und neuem Anmeldetoken abgewiesen wird. Die Erweiterung muss mit Security, BizTalk- und SQL-Administration begründet werden. Unzulässig: - Checkmk-Dienstkonto ändern, - Maschinenkonto pauschal berechtigen, - individueller SQL-Login für das Provider-Konto, - direkte ad-hoc DB-Rollen, - `db_owner` oder `sysadmin`, - WMI-/DCOM-Vollzugriff als Reaktion auf einen SQL-Loginfehler. ### 6.2 Dateisystem-ACL Der Installer entfernt die Vererbung an den Runtimeverzeichnissen und setzt explizite Einträge mit sprachneutralen Well-known-SIDs: | Ziel | Collector | SYSTEM | lokale Administratoren | | --- | --- | --- | --- | | Runtime-Root | RX | RX | F | | `data` | Modify | RX | F | | `logs` | Modify | Modify | F | `LocalSystem` kann deshalb den Snapshot lesen, aber im Datenverzeichnis nicht schreiben. Schreibrecht im Logverzeichnis wird benötigt, um abgelehnte Snapshots aus dem Consumer-Kontext zu protokollieren. ## 7. Scheduled Task Name: ```text BizTalk Checkmk Pulse Provider ``` Sollkonfiguration: | Einstellung | Wert | | --- | --- | | Trigger | einmalig, Wiederholung jede Minute ohne Enddatum | | Programm | `%ProgramFiles%\BizTalkCheckmkPulse\BizTalkCheckmkPulse.exe` | | Argument | `--collect` | | Arbeitsverzeichnis | `%ProgramFiles%\BizTalkCheckmkPulse` | | Benutzer | normales dediziertes AD-Servicekonto | | Run level | `Limited`; keine lokale Administratorrolle erforderlich | | Mehrfachinstanzen | `IgnoreNew` | | Laufzeitlimit | 5 Minuten | | StartWhenAvailable | aktiv | | Restart | zweimal im Minutenabstand | Der Task wird mit gespeichertem Dienstkontokennwort ausgeführt, also unabhängig von einer interaktiven Anmeldung. Bei Kennwortwechsel oder -ablauf muss das Task-Kennwort aktualisiert werden. Ein gMSA ist weiterhin optional unterstützt, aber nicht die produktive Standardannahme. ## 8. Installation ### 8.1 Build ```cmd scripts\test-release.cmd scripts\package-release.cmd ``` Der Release-Build der Visual-Studio-2019-Solution baut Anwendung, grafischen Installer und Packaging-Werkzeug. Danach liegen der Paketordner `artifacts\BizTalkCheckmkPulse-Setup` und das direkt transportierbare `artifacts\BizTalkCheckmkPulse-Setup.zip` bereit. ### 8.2 Normales Servicekonto Das ZIP wird auf dem Zielserver vollständig entpackt. Danach `Setup.exe` als Administrator starten, Konto im Format `DOMAIN\Benutzer` (zum Beispiel `BEW\t231bizmon`), Kennwort und Umgebung eintragen und die Installation starten. Der Installer muss als lokaler Administrator laufen. Er vergibt keine AD-/BizTalk-/SQL-Rechte; diese bleiben getrennte administrative Freigaben. Beim Update wird zuerst die neue Paketversion im Staging-Verzeichnis mit neun Self-Test-Zeilen validiert. Bestehende AppSettings werden in die neue Config übernommen; neue Keys stammen aus der neuen Standardkonfiguration. Die Runtime-Daten unter `%ProgramData%` bleiben bestehen. Erst danach wird der Task gestoppt und die Programmversion umgeschaltet. Scheitert ein Folgeschritt, versucht der Installer Programmverzeichnis, Checkmk-Wrapper und Scheduled Task auf den vorherigen Stand zurückzusetzen. Ab Version 2.2.4 ist die Umschaltung erst nach einer transaktionalen Runtime-Abnahme abgeschlossen. Ein einmaliger, triggerloser Task läuft unter dem echten Collector-Konto und erzwingt einen vollständigen Endpoint- Katalogabgleich. Der Installer wartet begrenzt auf `LastTaskResult=0` und lässt anschließend die installierte Produkt-EXE Snapshot und Katalog mit den normalen Produktparsern validieren. Der Snapshot muss aus diesem Lauf stammen, die erwartete Identität und alle neun eindeutigen Services ohne `UNKNOWN` enthalten. Erst dann wird der normale Minutentask registriert und das Backup gelöscht. Bei Fehler oder Timeout wird die alte Version wiederhergestellt und ein frischer Lauf des alten Tasks abgewartet. Version 2.2.5 korrigiert die versionsübergreifende Vorprüfung. Die neue Paket-, Staging- und Zielversion muss weiterhin exakt neun gültige Self-Test-Zeilen liefern. Für die installierte Ausgangsversion wird dagegen deren vollständiger, eindeutiger und ausschließlich grüner Servicevertrag akzeptiert, auch wenn er aus einer älteren Version mit acht Services stammt. Rein additive Services blockieren das Update nicht; entfernte Namen und damit auch Renames bleiben vor der Umschaltung bestätigungspflichtig. Parallel erzeugt jeder Installations-/Updatelauf ein separates `%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\logs\setup-*.log`. Protokolliert werden Phase, Setup-/Binary-Version, Pfad und Größe, Self-Test-stdout/-stderr, Exitcodes, Taskstatus, Exception-Kette, letzte Provider-Logzeilen bei einem Abnahmefehler und das Rollback-Ergebnis. Das Collector-Kennwort wird der Logging-Komponente nie übergeben. Ein frisch abgeschlossener Task mit Fehlercode wird sofort erkannt; der Fehler erscheint dezimal und hexadezimal. Der installierte Task selbst läuft mit `RunLevel Limited`. Der Installer übergibt das Kennwort direkt an die Windows-Task-Scheduler-COM-Schnittstelle; es wird weder in einer Prozesskommandozeile noch in Config oder Log geschrieben. Das Konto benötigt `Log on as a batch job`. ### 8.3 Optionales gMSA Im Installer die gMSA-Checkbox aktivieren und ein auf `$` endendes Konto wie `BEW\svc_biztalk_cmk$` eingeben. Ein Kennwort wird dann nicht abgefragt. ### 8.4 Checkmk Der installierte Wrapper liegt unter: ```text %ProgramData%\checkmk\agent\local\biztalk_checkmk_pulse.cmd ``` Der Agent darf den Consumer synchron ausführen. Er liest nur maximal 1 MiB lokale Daten; ein Checkmk-Async-Cache ist daher nicht notwendig. Falls alte `check_mk.user.yml`-Regeln für den bisherigen 300-Sekunden-Cache existieren, sollten sie entfernt werden, damit Checkmk den minütlich aktualisierten Snapshot nicht zusätzlich verzögert. Nach dem Agent-Dump: 1. Service Discovery für den BizTalk-Host ausführen. 2. neun stabile Services aufnehmen; den alten Service `BizTalk Runtime Artifacts` nach erfolgreicher Discovery entfernen. 3. Changes aktivieren. 4. Views/Benachrichtigungen nach Umgebung konfigurieren. ## 9. Logging Pfad: ```text %ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\logs\ biztalk-checkmk-pulse-YYYYMMDD.log ``` Jede Zeile enthält UTC-Zeit, Level, Komponente, PID, Windows-Identität und einzeilige Nachricht. Provider-Erfolge werden pro Lauf geloggt; der Consumer loggt nur abgelehnte Snapshots. Exceptions werden mit Typ, Nachricht, HRESULT-/Providerdetails und Stacktrace einzeilig gespeichert. Der erfolgreiche Abschluss nennt Suspensions, Routing Failure Reports, Receive-Location-/Send-Port-Zahlen und Laufzeit. Jede strukturierte WMI-/SQL-/Event-Log-Diagnose wird zusätzlich als eigene `WARN`-Zeile protokolliert und bleibt damit auch außerhalb der gekürzten Checkmk-Summary vollständig nachvollziehbar. Logging ist best effort: Ein blockiertes Log darf Checkmk-Ausgabe oder Snapshot-Publikation nicht zerstören. Der Provider entfernt beim Start Dateien älter als `LogRetentionDays`. ## 10. Diagnose und Runbook ### 10.1 Grundprüfung ```cmd schtasks.exe /query /tn "BizTalk Checkmk Pulse Provider" /v /fo list dir "%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\data\biztalk-checkmk-pulse.snapshot" type "%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\logs\biztalk-checkmk-pulse-*.log" "%ProgramFiles%\BizTalkCheckmkPulse\BizTalkCheckmkPulse.exe" --consume "C:\Program Files (x86)\checkmk\service\cmk-agent-ctl.exe" dump ``` ### 10.2 Kein Snapshot Prüfen: 1. Task existiert und ist aktiviert. 2. `LastTaskResult` und Provider-Log. 3. Dienstkonto kann sich als Batch anmelden. 4. gespeichertes Task-Kennwort ist nach Rotation/Ablauf noch gültig. 5. Provider besitzt Modify auf `data` und `logs`. 6. EXE/Config sind ausführbar. ### 10.3 Staler Snapshot Der Consumer nennt Alter und Grenzwert. Ursachen: - Task deaktiviert oder Konto/Kennwort ungültig, - vorheriger Lauf hängt, - WMI-/SQL-Timeouts, - Task Scheduler lief während Wartung nicht, - Snapshot-Publikation wird durch AV/EDR oder ACL blockiert. Nicht einfach `SnapshotMaxAgeSeconds` stark erhöhen. Zuerst den minütlichen Lauf wiederherstellen. Bei geplanten Wartungen darf Checkmk bewusst `UNKNOWN` anzeigen. ### 10.4 SHA-256-/Formatfehler Snapshot nicht reparieren oder direkt an Checkmk kopieren. Task neu starten, Datenträger und AV/EDR prüfen. Wiederholt sich der Fehler, Temporärdateien, NTFS-Ereignisse und Schreibrechte untersuchen. ### 10.5 BizTalk-/SQL-Permission 1. Log zeigt `execution_identity` des Providers. 2. `BizTalkReadOnlyUserGroup` gegen BizTalk-Konfiguration abgleichen. 3. AD-Gruppenmitgliedschaft des Provider-Kontos prüfen. 4. neuen Logontoken durch neuen Tasklauf sicherstellen. 5. SQL-seitig Gruppenlogin und `BTS_READONLY_USERS` read-only prüfen. 6. keine Einzelrechte erteilen. 7. Nur wenn eine spezifische Klasse weiter abgewiesen wird, Read-Only-Umfang mit Microsoft-Dokumentation und BizTalk-Betrieb abgleichen; Operator-Rolle ist eine bewusste Eskalation. ### 10.6 WMI-Schema `InvalidClass` oder `InvalidQuery` wird als `Wmi/Schema` klassifiziert. Berechtigungserhöhung kann eine nicht vorhandene Klasse nicht erzeugen. Installierte BizTalk-Version, WQL und Properties prüfen. ## 11. Konfiguration Alle AppSettings befinden sich in: ```text %ProgramFiles%\BizTalkCheckmkPulse\BizTalkCheckmkPulse.exe.config ``` Runtime: | Key | Default | Bereich | | --- | --- | --- | | `SnapshotPath` | `%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\data\...` | absolut | | `SnapshotMaxAgeSeconds` | `180` | 60 bis 86400 | | `SnapshotMaxBytes` | `1048576` | 4096 bis 16777216 | | `LogDirectory` | `%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\logs` | absolut | | `LogRetentionDays` | `30` | 1 bis 365 | | `EndpointCatalogPath` | `%ProgramData%\BizTalkCheckmkPulse\data\endpoints.xml` | absolut | | `EndpointCatalogMaxBytes` | `1048576` | 4096 bis 16777216 | BizTalk-Probes: | Key | Default | | --- | --- | | `Server` | `.` | | `EnvironmentName` | leer | | `IncludeEnvironmentInServiceName` | `false` | | `QueryTimeoutSeconds` | `25` | | `ProbeSqlConnectivity` | `true` | | `SqlConnectionTimeoutSeconds` | `5` | | `ProbeEventLog` | `true` | | `EventLogLookbackMinutes` | `60` | | `ProbeEndpointConnectivity` | `true` | | `EndpointDiscoveryIntervalHours` | `168` | | `EndpointProbeTimeoutMilliseconds` | `3000` | | `EndpointProbeMaxConcurrency` | `16` | | `EndpointCatalogMaxEntries` | `1000` | | `EndpointMaxCount` | `100` eindeutige Netzwerkziele | Alarmierung: | Key | Default | | --- | --- | | `WarnResumableThreshold` | `1` | | `CritNonResumableThreshold` | `1` | | `CritRoutingFailureThreshold` | `1` | | `AlertOnArtifactRuntimeIssues` | `true` | | `ExpectedDisabledReceiveLocations` | leer; exakte Pipe-Liste | | `ExpectedInactiveSendPorts` | leer; exakte Pipe-Liste | | `AlertOnInactiveOrchestrations` | `false` | | `MaxSummaryItems` | `5` | | `MaxDetailCharacters` | `1600` | | `EmitPerApplicationSuspensionServices` | `false` | | `EventLogWarnThreshold` | `1` | | `EventLogCritThreshold` | `10` | ## 12. Tests und Abnahmekriterien Automatisiert: - Release-Build .NET Framework 4.7.2, - exakt neun Self-Test-Services, - unbekannte Quellen werden `UNKNOWN`, - dynamische Anwendungsservices nur bei bekannter Anwendung, - WMI-Queryvertrag nutzt dokumentierte Properties, - eingebetteter SQL-Loginfehler wird `Permission`, - abgewiesener Principal wird extrahiert, - Routing Failure Reports werden separat und als non-resumable gezählt, - Receive-/Send-Allowlisten trennen bewusste von unerwarteten Aus-Zuständen, - ein fehlender `IsDisabled`-Wert wird `UNKNOWN` statt still als enabled, - betroffene Namen und Gesamtlänge der Summary bleiben begrenzt, - Endpoint-Adressen werden ohne URI-Secrets auf Host/Port reduziert, - manuelle Endpoint-Overrides überleben den automatischen Wochenabgleich, - nur nicht erreichbare oder wirklich unaufgelöste Endpoints erscheinen im Checkmk-Detail, - 70 vollständig timeoutende eindeutige Ziele bleiben mit den Defaults in einem theoretischen Socket-Budget von etwa 15 Sekunden; das konfigurierte Maximum von 100 Zielen in etwa 21 Sekunden, - Update-Config-Merge erhält bestehende Werte und fügt neue Defaults hinzu, - erzwungener Installations-Katalogabgleich wird unabhängig vom Katalogalter ausgeführt, - Runtime-Abnahme weist alten/manipulierten Snapshot, falsche Identität, fehlenden Service, `UNKNOWN`, alten/ungültigen Katalog und fehlerhaften oder nicht rechtzeitig beendeten Tasklauf zurück, - Snapshot-Roundtrip und Ersatz, - SHA-256-Manipulation wird verworfen, - Stale-Snapshot wird verworfen, - Consumer-Fallback enthält neun `UNKNOWN`-Services. Windows-/ACC-Abnahme: 1. `LastTaskResult=0`. 2. Snapshot wird mindestens dreimal minütlich aktualisiert. 3. Provider-Log nennt das dedizierte Konto. 4. `BizTalk Platform` zeigt `read_only_group=`. 5. `BizTalk SQL Access`: `targets=2`, `available=2`. 6. keine Permission-`UNKNOWN`s. 7. Suspensionsmetriken mit der BizTalk Group Hub Page plausibilisieren, einschließlich Routing Failure Reports. 8. Eine bewusst deaktivierte Receive Location und einen inaktiven Send Port über die exakten Allowlisten als expected bestätigen. 9. Einen Testnamen aus der Allowlist entfernen und den erwarteten CRIT mit kurzem `affected=`-Detail prüfen. 10. ACL-Test: `LocalSystem` kann Snapshot lesen, nicht schreiben. 11. `endpoints.xml` wurde erzeugt; sie enthält keine vollständigen URIs oder Zugangsdaten und nur Started-/Enabled-Artefakte. 12. `Endpoint Reachability` zeigt `unresolved=0`; erwartbar lokale oder adapterinterne Adressen stehen nur unter `expected_non_socket` und bleiben OK. 13. Einen erreichbaren Testport sperren: nur `Endpoint Reachability` wird CRIT und nennt ausschließlich das nicht erreichbare Ziel. 14. Ein Artefakt stoppen/deaktivieren: es wird im nächsten Minutenlauf nicht mehr geprüft. 15. Katalogzeit auf älter als 168 Stunden setzen beziehungsweise Intervall testweise reduzieren: erfolgreicher atomarer Umgebungsabgleich. 16. Task deaktivieren: nach 180 Sekunden neun stale-`UNKNOWN`s. 17. Task wieder aktivieren: nächster Snapshot stellt Echtzustand her. 18. Agent-Dump und Checkmk Service Discovery erfolgreich. Erst nach ACC-Abnahme erfolgt der gestufte Rollout nach DEV/TST/PRD. ## 13. Deinstallation und Rollback `Setup.exe` aus dem entpackten Paket erneut starten und **Deinstallieren** wählen. Der Installer entfernt Task, Wrapper und Programmdateien, behält Logs und Snapshot aber absichtlich bei. Die AD-Gruppenmitgliedschaft wird nicht geändert und separat nach Change-Verfahren entzogen. Rollback auf die alte direkte `LocalSystem`-Architektur ist nicht empfohlen. Falls kurzfristig notwendig, muss Security die Maschinenkonto-Berechtigung explizit freigeben; der Checkmk-Agentdienst selbst darf nicht auf das Collector-Konto umgestellt werden. ## 14. Referenzen - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/managing-biztalk-server-security - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/windows-groups-and-user-accounts-in-biztalk-server - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/technical-reference/msbts-groupsetting-biztalkreadonlyusergroup-property-wmi - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/technical-reference/msbts-groupsetting-wmi - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/technical-reference/msbts-serviceinstance-serviceclass-property-wmi - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/types-of-message-failures - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/technical-reference/msbts-receivelocation-isdisabled-property-wmi - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/core/technical-reference/msbts-sendport-status-property-wmi - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/adapters-and-accelerators/adapter-sql/create-the-sql-server-connection-uri - https://learn.microsoft.com/en-us/biztalk/adapters-and-accelerators/adapter-oracle-database/create-the-oracle-database-connection-uri - https://docs.checkmk.com/latest/en/agent_windows.html - https://docs.checkmk.com/latest/en/localchecks.html - https://docs.checkmk.com/latest/en/spool_directory.html